Solarstrom statt Sparbuch: Opa will nachhaltig schenken

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Kinder winken aus dem Dachfenster neben einer Photovoltaikanlage
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"Geld für eine Photovoltaikanlage an die Kinder zu verschenken, lohnt sich auf Dauer mehr als einen festen Betrag aufs Sparbuch einzuzahlen", weiß Energieberater Akke Wilmes aus Wesel.

Akke Wilmes, Energieberater in Wesel

"Nicht nur die Kids von „Fridays for Future“ wollen etwas fürs Klima tun. Auch immer mehr ältere Menschen entdecken das Thema für sich. So kam vor einiger Zeit ein älterer Herr zu mir in die Beratung. Er wollte Kapital, das er aus einem Hausverkauf erhalten hatte, gern nachhaltig investieren. Am liebsten in Solarstrom, denn sein Ziel war es, nicht nur Energiekosten zu sparen, sondern auch etwas für die Umwelt zu tun. Schließlich sollen seine Kinder und Enkel eine sichere und lebenswerte Zukunft haben.

Dazu plante der Eigentümer eines 3-Parteienhauses für sein Dach eine Photovoltaik-Anlage  mit einer Leistung von 10 Kilowatt (kWp). Erste Angebote hatte er schon eingeholt. Von dem produzierten Solarstrom wollte nicht nur er selbst profitieren. Eine Ersparnis bei den Energiekosten sollte auch seiner Tochter und einem weiteren Mieter zugutekommen, die mit ihm unter einem Dach wohnten.

Aber so einfach ist es leider nicht, wenn ein Anlagenbetreiber den Solarstrom auch an andere Bewohner weitergeben möchte. So musste ich dem motivierten Verbraucher seine Rechte und vor allem auch Pflichten und den damit verbundenen bürokratischen Aufwand erläutern. Er konnte natürlich nicht wissen, dass er zum Stromlieferanten und somit quasi zu einem Energieversorger wird. Die Stromweitergabe ist nach aktueller Rechtslage nämlich ein Stromverkauf.

Ich habe dem netten Herrn dann vorgeschlagen, für seinen Haushalt und auch den Haushalt der Tochter jeweils eine eigene Anlage zu installieren. Darüber hinaus habe ich ihn gefragt, ob er noch weitere erwachsene Kinder habe, die vielleicht schon ein eigenes Haus besitzen, aber noch keine PV-Anlage? Vielleicht könne er sich ja vorstellen, allen Kindern eine Anlage für Solarstrom zu finanzieren?

Die Idee fand er wunderbar: Statt den Enkeln jeden Monat einen Betrag aufs Sparbuch zu zahlen, wollte er lieber jetzt schon für die nächsten 20 Jahre voraus denken. Die Stromkostenersparnis bliebe so bei den Familien und die Einspeisevergütung könnten die Eltern dann für ihre Kinder anlegen. Ein Generationen-Vertrag einmal anders herum: Hier sorgt der Opa für die Zukunft der Enkel vor. 

Wie sich das rechnet? Die knapp 9.000 Euro, die der Opa beispielsweise seiner Tochter gibt, damit sie eine PV-Anlage kaufen kann, sollte sich bei ihr durch eine Stromersparnis von rund 380 Euro im Jahr bemerkbar machen. Davon muss sie zwar noch die Betriebskosten abziehen, aber rund 210 Euro sollte sie am Ende weniger zahlen. Und vom Netzbetreiber müsste sie etwas mehr als 300 Euro Einspeisevergütung* bekommen, die sie für ihre Kinder anlegen kann. In der anhaltenden Niedrigzinsphase kann das Sparbuch da auch auf mittlere Sicht nicht mithalten.

Anstatt eine PV-Anlage mit einer Leistung von 10 KW auf ein Dach zu packen, will der Verbraucher nun Geld für 5 Anlagen zur Verfügung stellen. Sie werden jeweils eine Leistung von 4-5 kWp haben, so dass gleich 5 Haushalte Solarstrom ernten können. Damit lässt sich mehr als doppelt so viel Solarenergie produzieren wie ursprünglich geplant. Da strahlt nicht nur die Familie! Auch die Umwelt freut sich."


* Die Beispielrechnung geht davon aus, dass die PV-Anlage mit einer Leistung von 5 kWp 4.500 kWh Solarstrom erzeugt und die Tochter davon 30 Prozent selbst verbraucht. Die übrigen 70 Prozent kann sie ins Netz einspeisen. Pro Kilowattstunde erhält sie dafür 9,87 Cent, wenn die angemeldete Anlage im Januar 2020 ans Netz geht.

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